Johannes Gutenberg Buchdruck und die Idee, Bücher schneller zu vervielfältigen
Professor Pieps rückte seine kleine Brille zurecht.
„Heute reisen wir zu einer Erfindung, die die Welt verändert hat“, piepste er.
Dann drückte er auf den roten Knopf seiner Zeit-Käse-Maschine.
Wusch!
Schon begann das Abenteuer.
Die Maschine ratterte.
Sie brummte.
Sie roch ein wenig nach altem Papier und sehr reifem Käse.
„Oh, oh“, piepste Professor Pieps.
„Das riecht nach Mittelalter!“
Mit einem leisen Plopp landete die Zeit-Käse-Maschine in einer dunklen Gasse.
Professor Pieps lugte vorsichtig hinaus.
Er sah enge Häuser.
Er sah Pferdekarren.
Er hörte Hämmer, Schritte und Stimmen.
Auf einem Schild stand:
Mainz
„Aha!“, sagte Professor Pieps.
„Wir sind in Mainz. Das ist eine Stadt am Rhein. Und wir sind ungefähr im Jahr 1450.“
Professor Pieps strich seine Weste glatt.
Dann schob er seine winzige Tasche voller Notizblätter zurecht.
„Hier lebt ein Mann namens Johannes Gutenberg“, flüsterte er.
„Er hat eine große Idee.“
Professor Pieps huschte über das Kopfsteinpflaster.
Er musste vorsichtig sein.
Ein Huhn lief fast auf seinen Schwanz.
„Gack!“, machte das Huhn.
„Pieps!“, machte Professor Pieps und sprang hinter einen Eimer.
Dann sah er eine Werkstatt.
Aus der Werkstatt kam Licht.
Und Geräusche.
Klick.
Klong.
Schab.
Knarz.
Professor Pieps schlüpfte durch ein kleines Loch in der Tür.
Drinnen war es warm.
Es roch nach Metall, Öl, Holz und Tinte.
An einem Tisch stand Johannes Gutenberg.
Er sah ernst aus.
Aber seine Augen funkelten.
Vor ihm lagen kleine Metallstücke.
Auf jedem Stück war ein Buchstabe.
Ein A.
Ein B.
Ein M.
Ein S.
Professor Pieps setzte sich hinter eine Garnrolle.
„Buchstaben aus Metall!“, piepste er leise.
„Wie köstlich klug! Fast so gut wie Käsewürfel.“
Johannes Gutenberg nahm einen kleinen Buchstaben.
Dann nahm er noch einen.
Und noch einen.
Er setzte sie nebeneinander.
Aus vielen einzelnen Buchstaben wurde ein Wort.
Aus vielen Wörtern wurde eine Zeile.
Aus vielen Zeilen wurde eine ganze Seite.
Professor Pieps schrieb in sein Forscherbuch:
Gutenberg benutzt bewegliche Buchstaben aus Metall.
Man nennt sie Lettern.
Eine Letter ist ein einzelner Buchstabe zum Drucken.
Früher war das anders.
Früher mussten Bücher mit der Hand abgeschrieben werden.
Ein Mensch saß viele Tage, Wochen oder Monate an einem Buch.
Er schrieb Buchstabe für Buchstabe.
Zeile für Zeile.
Seite für Seite.
Das war sehr langsam.
Und sehr teuer.
Darum hatten nur wenige Menschen Bücher.
Meistens hatten Klöster, Kirchen, reiche Leute oder Gelehrte Bücher.
Viele Kinder konnten nie ein eigenes Buch sehen.
Professor Pieps runzelte die Nase.
„Das ist traurig“, sagte er leise.
„Bücher sind doch Türen im Kopf. Wenn man liest, kann man reisen, ohne die Füße zu bewegen.“
Johannes Gutenberg arbeitete weiter.
Er hatte nicht nur bewegliche Buchstaben.
Er hatte noch mehr Ideen.
Er brauchte eine gute Druckfarbe.
Die Farbe musste an den Metallbuchstaben kleben.
Und sie musste auf Papier gut sichtbar sein.
„Tinte ist nicht gleich Tinte“, murmelte Gutenberg.
Professor Pieps nickte.
„Das stimmt. Käse ist auch nicht gleich Käse.“
Gutenberg mischte Farben.
Er prüfte sie.
Er probierte sie aus.
Dann zeigte er auf eine große Holzpresse.
Professor Pieps kletterte auf ein Regal, um besser sehen zu können.
Die Presse sah ein wenig aus wie eine Weinpresse.
Mit einer Weinpresse pressten Menschen Trauben aus, um Saft zu machen.
Gutenberg hatte die Idee, eine ähnliche Presse für Seiten zu benutzen.
Er legte die gesetzten Buchstaben in einen Rahmen.
Dann bestrich er die Buchstaben mit Farbe.
Dann legte er Papier darauf.
Dann drückte die Presse das Papier fest auf die Buchstaben.
Knarrrrz.
Professor Pieps hielt den Atem an.
Gutenberg hob das Papier vorsichtig an.
Da war sie:
Eine gedruckte Seite.
Schwarz.
Klar.
Ordentlich.
Professor Pieps riss die Augen auf.
„Bei allen Käselöchern!“, piepste er.
„Eine Seite! Und sie sieht aus wie von Hand geschrieben, nur viel schneller gemacht!“
Gutenberg lächelte.
Er wusste:
Wenn eine Seite fertig gesetzt war, konnte man sie nicht nur einmal drucken.
Man konnte sie wieder drucken.
Und wieder.
Und wieder.
Viele gleiche Seiten entstanden.
Das war neu und wichtig.
Professor Pieps schrieb:
Der Buchdruck machte es möglich, Bücher schneller und in größerer Zahl herzustellen.
Aber Gutenberg arbeitete nicht allein.
In seiner Werkstatt halfen andere Menschen mit.
Es gab Helfer, Handwerker und Geldgeber.
Ein Geldgeber war jemand, der Geld für ein großes Vorhaben gab.
Zu den wichtigen Menschen in Gutenbergs Umfeld gehörten Johann Fust und Peter Schöffer.
Johann Fust unterstützte Gutenberg mit Geld.
Peter Schöffer war Schreiber und Drucker.
Er lernte viel über diese neue Kunst.
Professor Pieps notierte:
Große Erfindungen entstehen oft nicht ganz allein.
Viele Hände, Köpfe und Ideen helfen mit.
Dann passierte etwas Aufregendes.
In der Werkstatt wurde an einem großen Buch gearbeitet.
Es war die Bibel.
Die Bibel war für viele Menschen im Mittelalter ein sehr wichtiges Buch.
Gutenbergs Bibel wurde später berühmt.
Heute nennt man sie oft die Gutenberg-Bibel.
Sie entstand in den 1450er-Jahren.
Das bedeutet: ungefähr zwischen 1450 und 1460.
Professor Pieps versteckte sich zwischen Papierbögen.
Er sah, wie sorgfältig die Seiten gedruckt wurden.
Die schwarzen Buchstaben kamen aus der Presse.
Manche Anfangsbuchstaben wurden später noch bunt von Hand verziert.
So sahen die Seiten schön und kostbar aus.
Professor Pieps schnupperte am Papier.
„Mmmh“, sagte er.
„Riecht nach Wissen. Leider nicht nach Käse.“
Ein junger Helfer kam vorbei und stapelte die Blätter.
Professor Pieps musste schnell wegspringen.
„Uff!“, piepste er.
„Fast wäre ich zwischen Seite sieben und Seite acht gelandet.“
Tag für Tag wurde gedruckt.
Seite für Seite.
Bogen für Bogen.
Es war immer noch viel Arbeit.
Aber es ging viel schneller als Abschreiben mit der Hand.
Und das war der große Unterschied.
Bücher konnten nun häufiger hergestellt werden.
Mit der Zeit wurden sie billiger.
Mehr Menschen konnten Bücher lesen, kaufen oder ausleihen.
Wissen konnte schneller weitergegeben werden.
Ideen konnten reisen.
Nicht mit Pferden.
Nicht mit Schiffen.
Sondern auf Papier.
Professor Pieps stellte sich vor, wie ein Buch durch Städte wanderte.
Von Mainz nach Straßburg.
Von Straßburg nach Köln.
Von Köln nach Italien.
Von dort weiter in viele Länder.
„Das ist ja wie eine Maus mit Flügeln“, piepste er.
Bücher brachten Geschichten.
Bücher brachten Gebete.
Bücher brachten Wissen über Sterne, Pflanzen, Medizin, Musik und Mathematik.
Menschen konnten voneinander lernen, auch wenn sie weit entfernt lebten.
Doch Professor Pieps wusste auch:
Eine Erfindung ist ein Werkzeug.
Ein Werkzeug kann helfen.
Aber Menschen müssen klug damit umgehen.
Gedruckte Bücher konnten gute Ideen verbreiten.
Aber auch falsche Ideen konnten gedruckt werden.
Darum ist Lesen wichtig.
Und Nachdenken auch.
Professor Pieps tippte mit seinem kleinen Stift auf sein Notizblatt.
„Ein kluger Leser glaubt nicht alles sofort“, sagte er.
„Ein kluger Leser fragt: Stimmt das? Wer sagt das? Kann ich es prüfen?“
In der Werkstatt wurde es spät.
Die Kerzen wurden kleiner.
Die Schatten wurden länger.
Johannes Gutenberg betrachtete die gedruckten Seiten.
Er sah müde aus.
Aber auch stolz.
Professor Pieps kletterte auf einen Balken.
Von dort oben konnte er die ganze Werkstatt sehen.
Die Lettern glänzten.
Die Presse stand still.
Die Papierstapel lagen ordentlich da.
Und mitten in allem stand die Idee:
Wissen soll vervielfältigt werden.
Professor Pieps lächelte.
„Das ist eine wirklich große Erfindung“, sagte er leise.
„Nicht, weil sie laut ist. Nicht, weil sie blinkt. Sondern weil sie Wörter zu vielen Menschen bringt.“
Da knackte plötzlich ein Holzbrett.
Gutenberg drehte sich um.
„Wer ist da?“, fragte er.
Professor Pieps erstarrte.
Dann fiel ein winziger Käsekrümel aus seiner Tasche.
Pling.
Gutenberg sah auf den Boden.
Professor Pieps hielt sich die Pfoten vor den Mund.
Gutenberg hob den Käsekrümel auf.
Er schaute ihn an.
Dann lächelte er.
„Seltsam“, murmelte er.
„Vielleicht bringt gute Arbeit auch kleine Gäste.“
Professor Pieps wurde rot unter seinem grauen Fell.
„Sehr freundlich“, piepste er.
„Aber ich muss jetzt weiter.“
Er huschte zurück zur Zeit-Käse-Maschine.
Noch einmal blickte er zur Werkstatt.
Klick.
Klong.
Knarz.
Die Welt hatte sich verändert.
Leise.
Seite für Seite.
Professor Pieps schrieb alles in sein kleines Forscherbuch.
„Eine gute Erfindung hilft nicht nur einem Menschen“, sagte er.
„Sie kann vielen Menschen das Leben leichter machen.“
Dann knabberte er an einem Krümel Käse und reiste weiter.
Wusch!
Was Kinder aus dieser Geschichte über den Buchdruck lernen können
Kinder können aus der Geschichte von Professor Pieps und Johannes Gutenberg sehr viel lernen.
Zuerst lernen sie, dass Bücher früher nicht selbstverständlich waren. Heute gibt es Bücher in Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen und zu Hause. Viele Kinder kennen Bilderbücher, Sachbücher, Comics oder Schulbücher. Doch vor vielen hundert Jahren war ein Buch etwas sehr Kostbares. Es musste oft von Hand abgeschrieben werden. Das dauerte lange. Darum konnten nur wenige Menschen Bücher besitzen.
Die Kinder lernen: Wissen war früher schwerer zu bekommen als heute.
Sie lernen auch, dass Johannes Gutenberg nicht einfach „ein Buch erfunden“ hat. Bücher gab es schon vorher. Aber Gutenberg entwickelte in Europa eine sehr wichtige Art, Bücher schneller zu vervielfältigen. Besonders wichtig waren die beweglichen Buchstaben aus Metall, die Lettern. Mit ihnen konnte man Texte zusammensetzen, drucken, wieder auseinandernehmen und für neue Texte benutzen.
Das ist ein wichtiger Gedanke:
Eine gute Erfindung löst ein Problem.
Das Problem war: Bücher waren langsam herzustellen.
Gutenbergs Lösung war: Man druckt Seiten mit beweglichen Buchstaben und einer Presse.
Kinder können daran erkennen, dass Erfindungen oft aus Fragen entstehen:
Warum dauert das so lange?
Geht das einfacher?
Kann man etwas verbessern?
Kann diese Idee vielen Menschen helfen?
Diese Fragen sind auch heute wichtig. Kinder können sie in ihrem eigenen Leben stellen. Vielleicht beim Basteln. Vielleicht beim Lernen. Vielleicht beim Aufräumen. Vielleicht später in der Schule, im Beruf oder in eigenen Projekten.
Die Geschichte zeigt außerdem, dass Erfinden Geduld braucht. Gutenberg musste ausprobieren. Er brauchte passende Buchstaben. Er brauchte gute Druckfarbe. Er brauchte eine Presse. Er brauchte Papier. Sicher gelang nicht alles sofort. Aber er machte weiter.
Kinder lernen dadurch: Fehler und Versuche gehören zum Lernen dazu.
Nicht jede Idee klappt beim ersten Mal. Das ist normal. Wer etwas Neues bauen, malen, schreiben, rechnen oder verstehen will, braucht Zeit. Man darf üben. Man darf fragen. Man darf verbessern.
Die Geschichte zeigt auch, dass große Erfindungen oft nicht von einem Menschen ganz allein entstehen. Gutenberg war sehr wichtig, aber in seinem Umfeld gab es Helfer, Handwerker, Geldgeber und Fachleute. Johann Fust und Peter Schöffer gehörten ebenfalls zu dieser Geschichte.
Kinder können daraus mitnehmen: Zusammenarbeit ist wertvoll.
Manchmal hat ein Mensch eine Idee. Ein anderer hat ein Werkzeug. Ein dritter kann gut schreiben. Ein vierter kann gut rechnen. Gemeinsam wird aus einer Idee etwas Großes. Auch in der Schule ist das so. In einer Gruppe kann jedes Kind etwas beitragen.
Besonders wichtig ist die Lernerfahrung über Wissen.
Durch den Buchdruck konnten Bücher häufiger hergestellt werden. Dadurch verbreiteten sich Informationen schneller. Mehr Menschen konnten lesen, lernen und nachdenken. Das veränderte die Welt. Schulen, Wissenschaft, Religion, Kunst und Bildung wurden stark beeinflusst.
Kinder lernen: Lesen ist eine besondere Fähigkeit.
Wer lesen kann, kann sich Wissen selbst holen.
Wer lesen kann, kann Geschichten entdecken.
Wer lesen kann, kann Fragen stellen.
Wer lesen kann, kann die Welt besser verstehen.
Aber die Geschichte zeigt auch: Nicht alles, was gedruckt ist, muss automatisch richtig sein. Auch falsche Informationen können verbreitet werden. Deshalb sagt Professor Pieps: Ein kluger Leser denkt mit.
Das ist für Kinder heute besonders wichtig. Denn heute gibt es nicht nur Bücher. Es gibt auch das Internet, Videos, Nachrichten, Werbung und soziale Medien. Informationen verbreiten sich heute noch viel schneller als zur Zeit Gutenbergs.
Darum können Kinder aus Gutenbergs Geschichte etwas sehr Modernes lernen:
Lies aufmerksam.
Frag nach.
Vergleiche Informationen.
Glaube nicht alles sofort.
Suche nach guten Quellen.
Denke selbst.
Die Geschichte macht auch Mut. Johannes Gutenberg hatte eine Idee, die zunächst vielleicht unmöglich wirkte. Doch aus dieser Idee wurde eine Erfindung, die bis heute Bedeutung hat. Bücher, Zeitungen, Schulhefte und gedruckte Texte gehören zu unserem Alltag. Auch wenn heute vieles digital ist, lebt Gutenbergs Grundidee weiter: Informationen können vervielfältigt und mit vielen Menschen geteilt werden.
Für ihre Zukunft können Kinder mitnehmen:
Gute Ideen können klein anfangen.
Neugier ist wertvoll.
Lesen öffnet Türen.
Wissen soll geteilt werden.
Technik soll Menschen helfen.
Und wer die Welt verbessern möchte, darf Fragen stellen.
Professor Pieps würde sagen:
„Jede große Erfindung beginnt mit einem kleinen Warum.“
Und vielleicht steckt in jedem Kind ein bisschen Professor Pieps: neugierig, mutig, aufmerksam und bereit, die Welt zu entdecken.
