Dessousfotografie ist eine der faszinierendsten, aber auch sensibelsten Disziplinen der Peoplefotografie. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ausdruck, technischer Perfektion und einem tiefen Verständnis für Emotion, Körperbewusstsein und Vertrauen. In diesem Beitrag möchte ich einen Einblick geben, wie ich selbst Dessousshootings plane, vorbereite und umsetze – und warum die zwischenmenschliche Ebene dabei oft wichtiger ist als die Kameraeinstellungen.
Mehr als nur Fotografie: Der Fokus liegt auf dem Model
Bei einem Dessousshooting steht nicht die Technik, sondern der Mensch im Mittelpunkt. Es geht weniger um ausgeklügelte Lichtaufbauten oder spektakuläre Objektive, sondern vielmehr um das Posing, die Atmosphäre und die Bildgestaltung.
Ein gutes Foto entsteht dann, wenn sich das Model wohlfühlt und eine natürliche Ausstrahlung zeigt. Das gelingt nur, wenn zwischen Fotograf und Model gegenseitiges Vertrauen herrscht.
Wichtig: Komplimente sollten immer respektvoll und professionell bleiben. Übertriebene oder unangebrachte Bemerkungen zerstören sofort das Vertrauen. Ehrlichkeit und Klarheit sind hier entscheidend – genauso wie die Fähigkeit, das Model gezielt zu loben, wenn etwas gut funktioniert.
Vorbereitung ist alles
Ein gelungenes Shooting beginnt lange vor dem eigentlichen Termin.
Zur Vorbereitung gehört:
Die richtige Location: Ein Ort mit angenehmer Temperatur, Privatsphäre und gutem Licht.
Das passende Model: Selbstbewusst, mit schöner Haut, Erfahrung im Posing und ohne übermäßige Schüchternheit.
Requisiten und Kleidung: Dessous, Accessoires, eventuell Masken oder Tücher – alles, was zur Stimmung des Shootings beiträgt.
Wohlfühlfaktor: Getränke bereitstellen, Pausen ermöglichen und auf das Wohl des Models achten.
Ein kleiner, aber oft vergessener Tipp: Das Model sollte vor dem Shooting keine enge Kleidung tragen, um Druckstellen auf der Haut zu vermeiden.

Die richtige Atmosphäre schaffen
Die Stimmung am Set entscheidet über den Erfolg des Shootings. Ein lockeres, respektvolles Gespräch vorab hilft, die Nervosität zu nehmen. Wenn eine Begleitperson dabei ist, kann man sie – falls passend – auch ins Shooting integrieren. Das schafft Vertrauen und kann zu interessanten Bildideen führen.
Musik, Lichtstimmung und kleine Details wie Duft oder Temperatur tragen ebenfalls dazu bei, dass sich das Model entspannt und natürlich bewegen kann.
Auswahl der Kleidung und Accessoires
Nicht jedes Dessous-Set eignet sich für jedes Shooting. Hauttyp, Stil und Farbgebung sollten zueinander passen.
Helle Hauttöne wirken mit dunklen Stoffen oft besonders elegant, während kräftige Farben bei dunkler Haut sehr gut zur Geltung kommen.
Auch kleine Details machen den Unterschied:
Piercings, Tattoos oder Accessoires wie Strümpfe und Schmuck können das Bild abrunden und ihm Persönlichkeit verleihen. Wichtig ist, dass nichts „zu viel“ wirkt – Dessousfotografie lebt von Reduktion, Eleganz und Andeutung.
Das Posing – Natürlichkeit statt Künstlichkeit
Eines der häufigsten Probleme in der Dessousfotografie ist ein „schnudeliges“ (nachlässiges) Posing. Jede Bewegung sollte bewusst und fließend wirken, nicht steif oder gestellt.
Ein großer Spiegel im Studio kann hier Wunder wirken: Das Model sieht sich selbst, kann Bewegungen kontrollieren und schneller in eine natürliche Pose finden.
Variationen sind entscheidend – stehende, sitzende, liegende Posen, kombiniert mit unterschiedlichen Perspektiven und Brennweiten. Wichtig ist, die Haltung immer an die Person anzupassen – jede Körperform hat ihre Schokoladenseite.
Während des Shootings – Details, die zählen
Saubere Fingernägel und gepflegte Haut sind Pflicht.
BH-Träger oder Abdrücke sollten vermieden werden.
Gänsehaut oder kalte Räume ruinieren die Atmosphäre – Wärme ist wichtig.
Druckstellen vermeiden: Weiche Unterlagen oder Handtücher helfen.
Hauttyp und Licht: Ein gleichmäßiges Licht verhindert unvorteilhafte Schatten.
Die Wahl der Brennweite ist ebenfalls entscheidend. Längere Brennweiten (85 mm und mehr) sorgen für eine schmeichelhafte Perspektive und natürliche Distanz – das schafft Professionalität und Komfort für das Model.
Dessous Fotos
Kreative Akzente setzen
Ob High-Key, Low-Key oder Color-Key – die Lichtstimmung verändert die Wirkung enorm.
Ein High-Key-Look wirkt weich, elegant und hell. Low-Key betont Körperformen und schafft sinnliche Dramatik. Mit Color-Key lassen sich gezielte Farbakzente setzen, die das Auge des Betrachters lenken.
Auch Wasser- oder Lichtreflexe, Nebel oder Stoffe im Hintergrund können für Dynamik sorgen – vorausgesetzt, sie lenken nicht vom Model ab.
Inspiration und Weiterentwicklung
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet auf Plattformen wie YouTube (z. B. dem „Playboy“-Kanal) interessante Tutorials und Behind-the-Scenes-Videos.
Doch die beste Übung bleibt die Praxis: Jedes Shooting bringt neue Erfahrungen – mit jedem Model wächst das Gespür für Haltung, Stimmung und Ausdruck.
Dessousfotografie ist eine Kunst des Respekts. Sie lebt von Vertrauen, Empathie und einer klaren Vorstellung davon, was Sinnlichkeit bedeutet – nämlich die Verbindung von Körper, Gefühl und Bildgestaltung, ohne dabei in Klischees zu verfallen.
Ein gutes Dessousfoto zeigt nicht nur Haut, sondern Haltung. Es erzählt eine Geschichte von Selbstbewusstsein, Eleganz und Schönheit – und genau das macht den Reiz dieser besonderen fotografischen Disziplin aus.

37 Tipps & Tricks
🌟 Allgemeine Grundlagen
Kommunikation ist alles: Kläre Erwartungen, Stil und Grenzen vor dem Shooting.
Vertrag & Rechte: Immer schriftlich festhalten, wer was mit den Bildern machen darf.
Moodboard erstellen: Nutze Pinterest oder Canva, um Stimmung, Posen und Outfits festzulegen.
Ziele definieren: Was soll das Shooting ausdrücken – Sinnlichkeit, Stärke, Natürlichkeit?
Wohlfühlfaktor schaffen: Nur in angenehmer Atmosphäre entstehen authentische Aufnahmen.
💃 Tipps für Models
Körperspannung halten: Auch in entspannten Posen auf Haltung achten – Schultern, Bauch, Hände.
Atmung kontrollieren: Ruhige Atmung hilft, nicht verkrampft zu wirken.
Gesichtsausdruck trainieren: Übe verschiedene Emotionen vor dem Spiegel oder per Selfie.
Kenne deine Schokoladenseite: Finde heraus, welche Posen und Winkel dir am besten stehen.
Blickführung: Der Blick kann Emotionen transportieren – bewusst auf Kamera, Licht oder Bewegung lenken.
Posen wechseln: Kleine Bewegungen zwischen den Aufnahmen wirken natürlicher als harte Positionswechsel.
Kleidung vorher testen: Alles anprobieren, Beweglichkeit und Sitz prüfen.
Keine engen Klamotten vorher tragen: Vermeidet Abdrücke auf der Haut.
Pflege: Gepflegte Haut, Nägel, Haare – kleine Details fallen auf.
Gesunder Schlaf: Eine ausgeruhte Ausstrahlung kann man nicht retuschieren.
Make-up passend zum Stil: Natürlich oder betont – je nach Thema und Licht.
Hydriert bleiben: Trinken hält die Haut frisch und verhindert Spannungsgefühl.
Emotionen zeigen: Authentizität schlägt Perfektion – bring Persönlichkeit ins Bild.
Vertraue dem Fotografen: Nur mit Vertrauen kann man sich fallen lassen.
Feedback einfordern: Zwischen den Sets kurz auf die Kamera schauen, um gemeinsam Feinheiten zu verbessern.
📸 Tipps für Fotograf:innen
Vorbereitung ist alles: Technik, Licht, Requisiten und Location vorab testen.
Licht verstehen: Weiches Licht für Haut, hartes Licht für Konturen – jede Stimmung braucht anderes Setup.
Temperatur im Studio: Immer angenehm für das Model – nicht zu kalt!
Anweisung mit Respekt: Freundlich, klar und ohne körperliche Berührungen.
Details im Blick: Fingernägel, Haare, BH-Träger, Falten – frühzeitig korrigieren.
Pausen einplanen: Kleine Erholungszeiten helfen gegen Müdigkeit und Unkonzentriertheit.
Musik nutzen: Passende Songs lockern die Stimmung.
Zeig Zwischenstände: So kann das Model mitsteuern und Vertrauen gewinnen.
Objektivwahl: 85–135 mm sind ideal für Porträts und schmeichelnde Perspektiven.
Lichtführung kreativ einsetzen: Mit Schatten spielen – für Tiefe und Dynamik.
Hintergrundgestaltung: Ruhig, farblich abgestimmt, ohne Ablenkung.
Farbharmonie: Kleidung, Make-up und Location sollten miteinander harmonieren.
Shootingbegleitung willkommen heißen: Wenn vorhanden, respektvoll integrieren.
Sicherheit & Privatsphäre: Keine unangemessenen Situationen oder Kommentare – absolute Professionalität.
🖥️ Nachbearbeitung & Workflow
Natürliche Retusche: Haut glätten, ohne Textur zu verlieren – weniger ist mehr.
Farblook bewusst wählen: Einheitlicher Stil macht dein Portfolio wiedererkennbar.
Feedbackrunde: Nach dem Shooting kurz austauschen, was gut lief und was man verbessern kann.
💡 Bonus-Tipp
Egal ob Model oder Fotograf:in – Respekt, Empathie und Professionalität sind die Basis jedes großartigen Fotos. Technik kann man lernen, aber Vertrauen und Gefühl sind unbezahlbar.
















