Ein Jahr später: Vom Sterben im Innern zum Wiedergeborensein im Außen. 365 Tage voller Erfahrungen
Ein Jahr später: Vom Sterben im Innern zum Wiedergeborensein im Außen. 365 Tage voller Erfahrungen

Ein Jahr später: Vom Sterben im Innern zum Wiedergeborensein im Außen. 365 Tage voller Erfahrungen

Es gibt Momente im Leben, die keine einfachen Wendepunkte sind, sondern stille Erdbeben. Ereignisse, die uns nicht nur zu Boden werfen, sondern uns dort liegen lassen – so lange, bis wir lernen hinzuhören. Genau vor einem Jahr stand ich an einer Grenze, die ich nie bewusst gewählt hätte, aber die mich grundlegend verändert hat. Es war eine Zeit, in der sich das Innenleben wie verbrannte Erde anfühlte: leer, schwarz, erschöpft. Ein Zustand, der nicht laut, sondern erschreckend leise ist.

Damals wusste ich nicht, dass man innerlich sterben kann, während man äußerlich weiterfunktioniert. Und ich wusste nicht, dass genau dort – mitten in diesem unsichtbaren Zerfall – der erste Samen für ein neues Leben liegt. Ein Leben, das nicht größer, schneller oder glänzender wird, sondern echter, klarer und radikal wahr.

365 Tage sind seither vergangen. Tage voller Abschiede, Ent-Täuschungen (im wahrsten Sinne des Wortes), Erkenntnisse, Länder, Städte, Menschen, Stille und Entscheidungen. Ein Jahr, das mir beigebracht hat, was es bedeutet, zu verlieren und gleichzeitig mehr zu gewinnen, als ich jemals für möglich gehalten hätte. Ein Jahr, das mich zwang, alles loszulassen: Heimat, Liebe, Sicherheiten, Gewohnheiten, Selbstbilder – und vor allem ein Umfeld, das irgendwann nicht mehr zu meinem inneren Wachstum passte.

Diese Zeit hat mich gelehrt, dass Wiedergeburt kein mystischer Zustand ist, sondern ein zutiefst menschlicher. Sie beginnt dann, wenn wir aufhören zu kämpfen und anfangen zu verstehen. Wenn wir uns selbst begegnen – ohne Masken, ohne Illusionen, ohne den Lärm der Welt.

In diesem Blogbeitrag möchte ich dich mitnehmen auf die Reise durch diese 365 Tage. Nicht, um zu zeigen, wie tief man fallen kann, sondern wie aufrecht man wieder stehen kann. Nicht, um Drama zu feiern, sondern Heilung sichtbar zu machen. Und vielleicht findest du dich selbst zwischen diesen Zeilen wieder – in der Erkenntnis, dass Transformation manchmal beginnt, wenn alles zerbricht.

Willkommen in meinem persönlichen Neuanfang.
Ein Jahr später.
Ein anderes Leben.
Und doch endlich meins.

Heute, vor genau 365 Tagen, lag ich drei Wochen lang auf dem Boden. Nicht bildlich. Wortwörtlich. Der Boden war mein Bett, mein Zeuge und manchmal auch mein Schutzraum.
Ich hatte 135 € am Konto, über 10 Kilo verloren und das Gefühl, innerlich schon gestorben zu sein.

An diesem Tag wurde mir klar:
So kann ein Leben enden, und so kann ein neues beginnen.

Ich stand vor Entscheidungen, die größer waren als ich selbst. Entscheidungen, die wehtun, weil sie dich zwingen, alles loszulassen, was du glaubtest zu sein. Entscheidungen, die dich so sehr reduzieren, dass nur noch der Kern übrig bleibt.

Ich hatte die Wahl zwischen einem Kinderbett oder Essen.
Es wurde das Kinderbett.
Und für jemand anderen Essen.

Das ist kein Heldentum. Das ist Realität, wenn du dich selbst verloren hast, aber dennoch jemand sein willst, der gibt, obwohl er nichts besitzt.

„Au revoir“, singt Mark Forster – ein Abschiedslied.
Für mich wurde es ein Lied der Befreiung.

Ein Jahr später: Vom Sterben im Innern zum Wiedergeborensein im Außen. 365 Tage voller Erfahrungen
Ein Jahr später: Vom Sterben im Innern zum Wiedergeborensein im Außen. 365 Tage voller Erfahrungen

Die Kunst des Weniger: Minimalismus als ungewollter Lehrer

Heute brauche ich nicht mehr viel.
Heute habe ich mehr im Herzen, als ich damals in meinem ganzen Leben besessen habe.

Minimalismus kommt selten als Lifestyle, oft als Notwendigkeit.
Er klopft nicht an – er bricht die Tür ein.
Er leert dein Konto, deinen Kleiderschrank, dein Umfeld, deine Vorstellungen, deine Sicherheiten.
Und irgendwann merkst du: Er hat dir Platz geschaffen.

Platz, um dich selbst wieder zu treffen.

Ich danke meinem Leben.
Für jede Sekunde, die wehgetan hat.
Für jede Sekunde, die ich auf gar keinen Fall missen möchte.


Alles hinter mir – und zum ersten Mal wirklich bei mir

Ich ließ alles hinter mir:
Heimatstadt, Liebe, Familie, Vergangenheit.

Nicht aus Trotz.
Nicht aus Wut.
Sondern weil ich etwas suchte, das größer war als Verlust: Frieden.

Ich sortierte mein Umfeld radikal aus.
Nicht, weil andere schlecht waren – sondern weil ich endlich gut zu mir sein wollte.

Und für das bewusst ausgewählte neue Umfeld empfinde ich tiefe Dankbarkeit.
Es gibt Menschen, die dich verletzen, obwohl sie es gut meinen.
Ich wünsche ihnen Liebe.
Nicht als Floskel – sondern als ehrlichen Segen.


Wie viele Länder? Wie viele Städte?

Ich habe sie gezählt – und doch spielen Zahlen keine Rolle.
Wichtiger ist, was geblieben ist:

  • der Geruch fremder Straßen

  • die Stille fremder Nächte

  • das Gefühl, nichts zu besitzen

  • und doch die ganze Welt zu spüren

Reisen kann dich heilen.
Aber nicht, weil du wegläufst,
sondern weil du dir selbst entgegengehst.


Was ich seit Corona und in den letzten Tagen über Menschen gelernt habe

Diese Jahre waren ein Mikroskop.
Sie haben uns vergrößert dargestellt – ungeschönt.

Ich lernte:

  • dass Ängste oft als Wut und Hass erscheinen

  • dass sich Menschen gerne hinter Masken und Makeup verstecken

  • dass Lachen manchmal Auslachen, manchmal Trauer ist

  • dass Selbstbeschäftigung ehrlicher ist als jede Ablenkung

  • dass Vorsicht nicht Misstrauen, sondern Selbstfürsorge ist

  • dass manche Menschen andere behandeln wie kaputte Schuhe

  • dass Außen bunt sein kann, aber innen tief schwarz

  • dass das Innere zählt – doch das Äußere zuerst gesehen wird

  • dass die Frage bleibt: Willst du wirklich „wie die meisten“ sein?

  • dass man sich nur versteckt, wenn man sich selbst noch nicht gefunden hat

Diese Erkenntnisse taten weh.
Und sie befreiten mich.


Mein Neujahr ist am 1. Juli

Andere schreiben Jahresrückblicke an Silvester.
Ich schreibe meinen am 1. Juli.

Weil mein Leben an diesem Datum neu begann.
Weil mein altes am selben Tag endete.
Weil ein Jahr nicht aus Kalendermonaten besteht, sondern aus inneren Zeiten.


Rechtsanwälte, Bücher und die Absurdität des Menschseins

Jetzt weiß ich, was Rechtsanwälte kosten.
Und wie absurd manche Kämpfe sind, wenn man sie rückblickend betrachtet.

Ich verschlang Bücher.
Bis aus Büchern Arbeitsbücher wurden.
Bis ich nicht mehr nur las, sondern lernte, übte, umsetzte.

Heute erscheint mir vieles unfassbar.
Ich kann kaum nachvollziehen, wie tief ich gefallen war.
Aber genau deshalb werde ich nie wieder so tief fallen.


Reduktion als Lebensprinzip

Alles, was nicht zum Ziel führt, fliegt raus.
Ohne Kompromisse.

Menschen, Ablenkungen, alte Muster, sogar Emotionen, die nur Chaos erzeugen.
Nicht aus Kälte – aus Klarheit.

Ich gehe konsequent.
Weil ich weiß, wie es ist, wenn du konsequent ignorierst, was dich zerstört.


Von offenen Wunden zu leisen Erinnerungen

Vor einem Jahr bluteten die Wunden noch.
Heute sind sie Narben.
Und Narben sind Erinnerungen an Kämpfe, die du überlebt hast –
nicht an Schmerzen, die dich definieren.

Was damals nicht ins Leben passte,
passt heute nicht einmal mehr in meine Vergangenheit.


Das ist erst der Anfang

365 Tage später stehe ich hier.
Mit weniger Besitz.
Mit weniger Menschen.
Mit weniger Ablenkung.

Aber mit mehr Herz.
Mehr Bewusstsein.
Mehr Wahrheit.
Mehr Leben.

Und das ist erst der Anfang.

Markus Flicker

Markus Flicker – Kreativer Unternehmer mit anhaltender konstruktiver Unzufriedenheit. Steiermark Graz Gleisdorf Österreich // Finden und Erstellen von visuellen Lösungen für dein Unternehmen. Markus Flicker Fotograf & Videograf Graz Contentcreator & Autor Fotografie / Bildbearbeitung / Workshops / Reisen / Blog / Podcast

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