Die 36 Strategeme gehören zu den ältesten und zugleich modernsten Denkmodellen der Weltgeschichte. Ursprünglich aus der chinesischen Militär- und Machtphilosophie stammend, haben sie längst den Weg in Wirtschaft, Politik, Medien, Psychologie und sogar in den Alltag gefunden. Eines der faszinierendsten und zugleich gefährlichsten dieser Strategeme ist „Das Feuer schüren, um Profit zu schlagen“.
Dieses Strategem wirkt auf den ersten Blick einfach, fast banal. Bei genauer Betrachtung offenbart es jedoch eine enorme strategische Tiefe. Es beschreibt das bewusste Verstärken bestehender Konflikte, Emotionen oder Spannungen, um daraus selbst einen Vorteil zu ziehen. Dabei geht es nicht darum, ein Feuer selbst zu entfachen, sondern darum, ein bereits vorhandenes Feuer zu nähren, zu lenken und für eigene Zwecke nutzbar zu machen.
Gerade in einer Zeit, in der soziale Medien, politische Polarisierung, wirtschaftliche Unsicherheit und technologische Umbrüche den Alltag prägen, ist dieses Strategem aktueller denn je. Wer versteht, wie dieses Prinzip funktioniert, erkennt nicht nur Manipulationen schneller, sondern kann sich auch bewusst dagegen schützen oder es ethisch reflektiert einsetzen.
Die tiefere Bedeutung hinter dem Bild des Feuers
Das Feuer steht in diesem Strategem nicht nur für offenen Streit oder Krieg. Es symbolisiert Emotionen, Angst, Wut, Gier, Unsicherheit, Rivalität und Chaos. Überall dort, wo Menschen emotional reagieren, entsteht ein inneres Feuer. Dieses Feuer kann klein sein, etwa ein Missverständnis, oder groß, wie ein gesellschaftlicher Konflikt.
Das Strategem lehrt, dass man nicht gegen das Feuer ankämpfen muss. Viel effektiver ist es, das Feuer zu beobachten, zu verstehen und gezielt zu verstärken, bis andere sich darin verausgaben. Während sie kämpfen, streiten oder reagieren, bleibt derjenige, der das Feuer schürt, scheinbar im Hintergrund und profitiert am Ende von der Erschöpfung oder den Fehlern der anderen.
Diese Denkweise ist unbequem, weil sie zeigt, wie oft Macht nicht durch Stärke, sondern durch Geduld, Beobachtung und psychologisches Gespür entsteht.
Historischer Ursprung und strategische Logik
In der klassischen chinesischen Strategie wurde dieses Strategem häufig angewendet, wenn zwei feindliche Parteien bereits geschwächt waren oder sich gegenseitig bekämpften. Anstatt selbst Ressourcen zu verschwenden, wartete man ab, verstärkte unterschwellig den Konflikt und griff erst dann ein, wenn der Zeitpunkt maximalen Profits erreicht war.

Die strategische Logik dahinter ist klar. Wer kämpft, macht Fehler. Wer emotional ist, verliert Überblick. Wer unter Druck steht, trifft schlechte Entscheidungen. Das Feuer schüren bedeutet, diese Prozesse bewusst zu verlängern oder zu intensivieren, bis sich eine günstige Gelegenheit ergibt.
Diese Logik lässt sich heute nicht nur auf militärische Szenarien anwenden, sondern auch auf Unternehmensstrategien, politische Kommunikation, mediale Debatten und zwischenmenschliche Beziehungen.
Das Strategem in der modernen Wirtschaft
In der heutigen Wirtschaft ist „Das Feuer schüren, um Profit zu schlagen“ allgegenwärtig. Unternehmen beobachten genau, wo Unsicherheit, Konkurrenz oder Marktspannungen entstehen. Statt sofort einzugreifen, nutzen sie diese Situationen gezielt.
Wenn Wettbewerber sich in Preiskämpfen aufreiben, kann ein drittes Unternehmen abwarten, seine Marke stärken und später stabil in den Markt eintreten. Wenn Konsumenten verunsichert sind, etwa durch technologische Veränderungen oder wirtschaftliche Krisen, entstehen neue Bedürfnisse. Wer diese Unsicherheit geschickt adressiert, profitiert davon.
Auch im Bereich der Start-ups ist dieses Strategem sichtbar. Viele junge Unternehmen entstehen genau dort, wo etablierte Player in internen Konflikten, veralteten Strukturen oder öffentlichen Kontroversen gefangen sind. Das Feuer existiert bereits. Es muss nur richtig genutzt werden.
Medien, Aufmerksamkeit und das Geschäft mit dem Konflikt
Kaum ein Bereich zeigt das Strategem deutlicher als die moderne Medienlandschaft. Aufmerksamkeit ist zur wertvollsten Ressource geworden, und nichts erzeugt mehr Aufmerksamkeit als Konflikt. Polarisierende Themen, emotionale Schlagzeilen und zugespitzte Debatten sind das Feuer, das täglich geschürt wird.
Dabei geht es nicht immer um Wahrheit oder Lösung. Oft geht es um Reichweite, Klicks und Einfluss. Bestehende Meinungsunterschiede werden verstärkt, nicht um sie zu klären, sondern um sie zu verlängern. Das Ergebnis ist ein permanenter Zustand emotionaler Erregung, aus dem verschiedene Akteure profitieren.
Wenn du dieses Strategem erkennst, beginnst du, Medieninhalte anders zu lesen. Du siehst, wo Feuer bewusst genährt wird, um wirtschaftlichen oder politischen Profit zu erzielen.
Das Feuer schüren in sozialen Netzwerken
Soziale Netzwerke sind ein perfekter Nährboden für dieses Strategem. Algorithmen bevorzugen Inhalte, die starke Reaktionen auslösen. Empörung, Angst und Wut verbreiten sich schneller als sachliche Information. Wer das versteht, kann Reichweite gezielt aufbauen.
Influencer, Aktivisten und auch Unternehmen nutzen bestehende gesellschaftliche Spannungen, um ihre Botschaften zu platzieren. Dabei wird selten ein neues Feuer entfacht. Viel häufiger werden vorhandene Emotionen verstärkt, gespiegelt oder dramatisiert.
Für dich als Nutzer bedeutet das eine wichtige Erkenntnis. Nicht jede hitzige Debatte entsteht zufällig. Oft ist sie Teil einer Strategie, bei der Aufmerksamkeit der eigentliche Profit ist.
Politische Machtspiele und strategische Eskalation
In der Politik ist „Das Feuer schüren, um Profit zu schlagen“ ein bekanntes, wenn auch selten offen benanntes Prinzip. Politische Akteure nutzen gesellschaftliche Spannungen, um ihre eigene Position zu stärken. Sie greifen bestehende Ängste oder Konflikte auf, verstärken sie rhetorisch und präsentieren sich gleichzeitig als Lösung.
Dabei entsteht ein paradoxer Effekt. Je größer das Feuer, desto größer der Bedarf an Führung. Wer das Feuer geschickt lenkt, kann sich als unverzichtbar darstellen. Dieses Muster ist in vielen Ländern und politischen Systemen zu beobachten, unabhängig von Ideologie oder Kultur.
Das Strategem erklärt, warum Konflikte oft nicht gelöst, sondern am Leben gehalten werden. Ein dauerhaftes Feuer ist für manche profitabler als echter Frieden.
Psychologische Mechanismen hinter dem Strategem
Auf psychologischer Ebene nutzt dieses Strategem grundlegende menschliche Reaktionen. Menschen sind emotionaler als rational. Unter Stress sinkt die Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Angst und Wut führen zu schnellen, oft unüberlegten Entscheidungen.
Wer das Feuer schürt, nutzt genau diese Mechanismen. Er bleibt ruhig, während andere reagieren. Er analysiert, während andere kämpfen. Der eigentliche Vorteil entsteht nicht durch Aggression, sondern durch Selbstkontrolle und Timing.
Für dich persönlich ist dieses Wissen besonders wertvoll. Es hilft dir zu erkennen, wann du selbst Teil eines Spiels wirst, das nicht deinem Interesse dient.
Zwischenmenschliche Beziehungen und subtile Manipulation
Auch im privaten Bereich taucht dieses Strategem auf. In toxischen Beziehungen oder konfliktreichen Umfeldern gibt es oft Personen, die Spannungen bewusst aufrechterhalten. Sie profitieren emotional davon, etwa durch Aufmerksamkeit, Kontrolle oder Bestätigung.
Ein kleiner Konflikt wird immer wieder angesprochen, leicht verdreht oder emotional aufgeladen. Das Feuer brennt weiter, auch wenn es längst hätte gelöscht werden können. Der Profit liegt nicht materiell, sondern emotional.
Wenn du dieses Muster erkennst, kannst du dich bewusst entziehen. Nicht jedes Feuer verdient Brennstoff.
Aktuelle Themen und moderne Anwendungsfelder
In Zeiten von künstlicher Intelligenz, globalen Krisen und gesellschaftlichem Wandel gewinnt dieses Strategem weiter an Bedeutung. Technologische Unsicherheit erzeugt Ängste. Wirtschaftliche Umbrüche schaffen Verlierer und Gewinner. Wer diese Prozesse versteht, kann Entwicklungen früh erkennen.
Auch im Bereich der digitalen Transformation wird das Feuer oft geschürt. Alte Systeme geraten unter Druck, neue Lösungen versprechen Sicherheit. Der Konflikt zwischen Tradition und Innovation wird emotional aufgeladen, weil Emotion verkauft.
Das Strategem zeigt hier seine zeitlose Natur. Die Mittel ändern sich, das Prinzip bleibt gleich.
Ethische Fragen und persönliche Verantwortung
So wirkungsvoll dieses Strategem ist, so wichtig ist auch die ethische Reflexion. Das bewusste Schüren von Konflikten kann langfristig Schaden anrichten, nicht nur bei anderen, sondern auch bei dir selbst. Dauerhafte Spannungen zerstören Vertrauen und Stabilität.
Die 36 Strategeme sind keine moralischen Anleitungen, sondern Denkmodelle. Sie zeigen, wie Macht funktioniert, nicht wie sie eingesetzt werden sollte. Die Verantwortung liegt immer bei dir.
Wer das Strategem versteht, muss es nicht anwenden. Oft reicht es, es zu erkennen, um sich zu schützen.
Wie du dich vor diesem Strategem schützen kannst
Der wichtigste Schutz ist Bewusstsein. Wenn du erkennst, dass ein Konflikt künstlich verlängert wird, kannst du dich entscheiden, nicht mitzuspielen. Ruhe, Distanz und kritisches Denken entziehen dem Feuer den Sauerstoff.
Emotionale Selbstkontrolle ist dabei entscheidend. Wer nicht impulsiv reagiert, wird schwerer manipulierbar. In einer Welt voller Feuer ist Gelassenheit eine strategische Stärke.
Ein gefährliches, aber unverzichtbares Strategem
„Das Feuer schüren, um Profit zu schlagen“ ist eines der mächtigsten Strategeme der 36 Strategeme. Es erklärt viele Phänomene unserer modernen Welt, von medialen Debatten über politische Konflikte bis hin zu persönlichen Beziehungen.
Wenn du dieses Strategem verstehst, siehst du die Welt klarer. Du erkennst Muster, wo andere nur Chaos sehen. Du lernst, wann du handeln solltest und wann Zurückhaltung die klügere Strategie ist.
Das wahre Wissen liegt nicht darin, das Feuer zu schüren, sondern darin, zu wissen, wann du Abstand halten solltest.